Wie eine zweite Natur

Es gibt keinen einzigen Bereich unseres Lebens mehr, in dem technische Gerätschaften oder Verfahren nicht eine dominante Rolle spielen. Bei so gut wie allem, was wir tun und lassen, nutzen wir moderne Technologie, sind von ihr umgeben und sogar durchdrungen – wie von einer zweiten, von und für uns selbst geschaffenen Natur. In immer kürzeren Abständen schafft diese technologische Entwicklung immer neue Tatsachen und ist längst zu einem bestimmenden Faktor unserer gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, ökonomischen und politischen Realität geworden. Ständig schaffen wir neue Werkzeuge, neue Materialien und neue Medien. In den allermeisten Fällen nehmen wir uns die Natur dabei zum Vorbild, wollen sie verstehen, kontrollieren und dann verbessern. Und wenngleich bloß Mittel zum Zweck, eröffnet uns dieses Erforschen von Fauna und Flora ganz nebenbei immer neue Einblicke und Erkenntnisse über das Leben auf dem Blauen Planeten. Neben WissenschaftlerInnen spinnen auch KünstlerInnen den Faden dieser Entwicklung weiter, suchen und finden kognitive und emotionale Zugänge und Interpretationen. Sie stillen unsere Sehnsucht danach, den Kontakt zu unseren Ursprüngen nicht ganz zu verlieren.

Vierte Ausstellung von Volkswagen Automobil Forum Unter den Linden und Ars Electronica Linz

Im Rahmen des vierten gemeinsamen Ausstellungsprojekts von Volkswagen Automobil Forum Unter den Linden und Ars Electronica Linz dreht sich alles um die Frage, was historisch, gegenwärtig und zukünftig jene bestimmenden Faktoren waren, sind und sein werden, die Natürliches und Künstliches im alltäglichen Leben erkennbar, erlebbar und unterscheidbar machen. Künstlerische Arbeiten, Perspektiven und Positionen aus dem Medienkunstnetzwerk des Prix Ars Electronica, des weltweit renommiertesten und höchstdotierten Medienkunstpreises, unterstreichen dabei einerseits die Relevanz dieser Fragestellung und beleuchten andererseits deren alltäglichen Auswirkungen.

Unkonventionelle Beiträge und neue KünstlerInnentypen

Insgesamt fünfzehn künstlerische Arbeiten bieten unterschiedliche Zugänge und Assoziationen an. Die Schau zeigt, in welche Rollen KünstlerInnen schlüpfen, um welche Themen ihre Gedanken und Arbeiten kreisen und auf welch unkonventionelle Weise sie ihre Geschichten oftmals erzählen. Sichtbar wird dabei auch ein neuer Typ von KünstlerIn, der von sehr hoher inhaltlicher – genauer: künstlerischer, wissenschaftlicher, gesellschaftspolitischer – Kompetenz geprägt ist und der stets die Rolle der Kunst insgesamt im Auge hat. Dies gilt für Agnes Meyer-Brandis und ihre ironische Betrachtung von Wissenschaft und deren Selbstbild ebenso wie für Willem van Weeghel und sein Spiel mit Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung. Naturbeobachtungen dienten den Künstlern Yasuhiro Suzuki, Akira Nakayasu und Alistair McClymont als Inspirationsquelle für ihre ästhetisch anspruchsvollen, ausdrucksstarken Arbeiten rund um robotische Pflanzen, zwinkernde Blätter und künstlich erzeugte Tornados. Das brasilianische Künstlerduo Cantoni/Crescenti wiederum rückt in einem ausgefeilten Spiel mit Lichtmustern, Schatten und Reflexionen die BesucherInnen samt ihren Reaktionen und Beobachtungen ins Zentrum des eigenen Interesses.