Ars Electronica in Berlin 2017 | Projekte

Chijikinkutsu
Credit: Nelo Akamatsu

CHIJIKINKUTSU

Nelo Akamatsu (JP)

“CHIJIKINKUTSU” ist eine Neuschöpfung aus zwei japanischen Wörtern: Suikinkutsu und Chijiki. Suikinkutsu ist der Name einer Klanginstallation traditioneller japanischer Gärten seit  der Edo-Zeit. Der Klang entsteht durch Tropfen, die durch einen Topf unter einem Steinbecken fallen und durch Bambusrohre verstärkt werden. Seit der Antike war man in Japan darauf bedacht, die Natur so wahrzunehmen, wie sie ist – vom Klang des Winds in Pinienbäumen hin zum Gesang von Insekten. Suikinkutsus werden basierend auf dieser äußerst sensiblen Art der Wahrnehmung geschaffen. Chijiki dagegen heißt Geomagnetismus: Magnetische Kräfte, die immer wirken und alles auf der Erde beeinflussen, aber von den menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden können.

“CHIJIKINKUTSU” nimmt somit Magnetfelder des Chijiki wahr. Die Nadeln, die in zahlreichen Wassergläsern schwimmen, wurden vorher magnetisiert, so dass Sie sich nach Norden ausrichten. Wenn Strom durch die an den Gläsern befestigten Spulen fließt, wird ein vorübergehendes Magnetfeld geschaffen, das die Nadel zur Spule streben lässt. Die sanften Klänge der Nadeln an der Glaswand dringen durch den ganzen Raum. Durch den Einsatz von Geomagnetismus erweitert die Klanginstallation die sanften Klänge des Suikinkutsu und verlagert sie in den Kontext des japanischen Naturbegriffs.

www.neloakamatsu.jp

Learning to see
Credit: Memo Akten

Learning To See: Learning To Dream

Memo Akten (TR/UK)

Was heißt „verstehen“? Was heißt „lernen“, was heißt „sehen“? Wie schreiben wir der Welt, die wir sehen, Bedeutung zu? Wie kommunizieren wir unsere Gedanken und unser Befinden? Und was davon möchten wir auslagern an Maschinen und ihre Algorithmen? „Learning To See“ ist eine Serie von Arbeiten, die mittels modernster Algorithmen für maschinelles Lernen den Menschen und seine Interpretation der Welt in den Fokus rückt. Alles, was wir sehen und lernen, ist von unserem Vorwissen und unseren Überzeugungen geformt. Für diese Arbeit wurden künstliche neuronale Netze mit Tausenden von Kunstwerken aus dem Google Art Project trainiert. Mit mehreren Überwachungskameras nehmen sie die Umwelt auf und versuchen, diese zu interpretieren. Algorithmen, die künstliche Intelligenz zu Deep Learning befähigen, wurden ursprünglich in Anlehnung an die neuronalen Netze unseres Gehirns entwickelt. Es gibt sie seit Jahrzehnten, aber erst in letzter Zeit sind sie immer beliebter geworden. Ihre steigende Popularität wird oft der Zunahme der Rechenkapazitäten von Computern zugeschrieben oder der besseren Verfügbarkeit großer Datenmengen. Zweifelsohne sind jene Organisationen an Deep Learning interessiert, die milliardenschwere Investitionen bezüglich Massenüberwachung tätigen: Internetfirmen, deren Geschäftsmodelle auf gezielter psychografischer Werbung basiert sowie Regierungsorganisationen in ihrem Krieg gegen den Terror. Ihr Ziel ist die Automatisierung des Verstehens von Big Data: von Text, Bildern und Geräuschen. Aber was heißt „verstehen“? Was heißt „lernen“, was heißt „sehen“? Die Arbeit reiht sich ein in eine breit angelegten künstlerischen Forschungsprozess von  Memo Akten ein, bei dem es um eine selbstbestätigende kognitive Verzerrung und der daraus resultierenden sozialen Polarisierung geht.

memo.tv

Body Paint
Credit: Ars Electronica / Martin Hieslmair

Body Paint

Exonemo (JP)

Wer bist du? Bist du Mensch oder Bot? Für uns, die Generation Smartphone, ist die Möglichkeit, immer und überall online sein zu können, ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeit. Auch wenn wir oft nicht wissen, mit wem wir da kommunizieren, wir stellen uns zumindest ein menschliches Wesen vor. Unsere Vorstellungskraft ist es auch, die uns hilft, dass wir uns in einer mehr und mehr immateriellen Welt zurecht finden können.

In dieser Arbeit werden unsere körperlichen Definitionen durch Körperfarbe erforscht. Sie zeigt unsere Körperlichkeit in einer Welt vernetzter Informationsgeräte. Jede Arbeit in dieser Porträtserie zeigt eine Person. Sie ist nackt, rasiert und in einer einzigen Farbe bemalt. Sie wird auf einem LCD-Bildschirm abgebildet, der in derselben Farbe angestrichen ist und nur die Formen der dargestellten Person ausspart. Durch die Aufhebung der Grenzen zwischen menschlichem Körper und Bildschirm, die beide dieselbe Farbe haben, stiftet die Person Zweideutigkeit und Verwirrung und stellt in Frage, ob das Individuum auf dem Bildschirm Mensch oder Abbildung ist. Neben diesen formalistischen Aspekten beschäftigt sich die Arbeit mit der Frage nach Existenz in den Medien. Die Lebensdauer des menschlichen Körpers ist mehr oder weniger bekannt, aber das Fortleben von Daten, Farbe und Kunst ist nicht definiert. Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen für Körperkunst, figurative Malerei und Medienkunst verbinden sich jedoch in diesem Projekt miteinander, da die Arbeit einen gemeinsamen Nenner in der Gegenwart und der Existenz selbst sucht.

www.exonemo.com

Seijaku
Credit: Iris Van Herpen / photo by: Team Peter Stigter

Seijaku

Iris van Herpen (NL)

Das japanische Wort „Seijaku“ beschreibt das Finden von Ruhe und Gelassenheit im Chaos des täglichen Lebens. Iris van Herpen benannte ihre Haute-Couture-Kollektion “Seijaku” die sie am 4. Juli 2016 in Paris präsentierte. Die Designerin stützte sich dafür auf das Verfahren der Kymatik, mit dessen Hilfe Schallwellen als geometrische Muster abgebildet werden. Je höher die Tonfrequenz ist, desto komplexer werden dabei die visualisierten Muster. Die kreisförmigen und geometrischen Muster aus der Kymatik waren die Grundlage für die biomorphen Formen dieser Kollektion.

In einem eigens für die Kollektion entwickelten Verfahren wurde unter anderem perlglanzbeschichtetes Gummigewebe auf schwarzem Tüll angebracht, um eine fossilienartige und florale Schichtwirkung zu erzielen. Ein mit Laser zugeschnittenes Neckholder-Kleid wird über schwarzen Draht gespannt und legt sich wie eine Schale aus Schallwellen um den Körper. Um die Erfahrung zwischen Show und Konzept nahtlos zu gestalten, kollaborierte van Herpen mit dem japanischen Musiker Kazuya Nagaya, um eine Soundinstallation mit Zen-Klangschalen zu präsentieren. Der Musiker Nagaya spielte live während der Modenschau im L’Oratoire du Louvre – ein Raum mit außergewöhnlichen akustischen Qualitäten, in dem die meditativen Klänge der Zen-Schalen miteinander verschmelzten. In dieser immersiven Umgebung wurde die Show zu einer kollektiven Erfahrung, und die Grenzen zwischen Models und Publikum wurden aufgehoben.
Die Entscheidung von Van Herpen, die Rapid-Prototyping-Technologie des 3D-Drucks zu erkunden, ließ sie die erste sein, die diese Technologie in die Mode einführte.

www.irisvanherpen.com

Sehforschung
Credit: Cornelia Hesse-Honegger

Seh-Forschung

Cornelia Hesse-Honegger (CH)

“Die Funktion meiner Kunst liegt im Bewusstmachen, im Hereinholen von Ahnungen in die Realität.“ Cornelia Hesse-Honegger zeigt Prozesse der Wandlung auf verschiedenen Ebenen auf: Einerseits geht es um das Sichtbar-machen der Transformationsprozesse in der Natur aufgrund der von Menschen verursachten Umwelteinflüsse. Andererseits vereint die Künstlerin in ihrer  „Seh-Forschung“ die Kunst mit der Wissenschaft und schafft eine Transformation hin zur „Wissenskunst“. Sie zeichnet Bilder von Fliegen und Käfern, die aufgrund von Umweltverschmutzung und Strahlung mutierten. Seit dem Reaktorunfall 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl hat sie in durch den Fallout verseuchten Gebieten sowie im Umfeld anderer aktiver Atomanlagen mehr als 16.000 Insekten gesammelt. Ihren Beobachtungen zufolge treten in Gegenden, die vom radioaktiven Niederschlag betroffen sind, höhere Prozentzahlen an mutierten Insekten auf.

www.wissenskunst.ch

Toki
Credit: Akinori Goto

toki- series_#03

Akinori Goto (JP)

Wie kann Zeit in Bezug zu Ort und Bewegung simuliert werden?

Der japanische Künstler Akinori Goto untersucht die Zeit und schuf mit „toki- series_#03“ eine Art Zeitskulptur. Der Titel der Arbeit, „Toki“, ist das japanische Wort für „Zeit“ oder „Moment“. Mittels eines 3D-Druckers werden zweidimensionale Bewegungen ins Dreidimensionale übertragen. Zeit wird somit für das Auge sichtbar gemacht, holt verstrichene Zeit zurück und lässt über die kommende Zeit im Moment mutmaßen.

Momente, die vom menschlichen Auge normalerweise nicht erfasset werden können, werden mittels eines Geflechts aus Fäden, Licht und einem Rotationsmodul visualisiert. In der Materialisierung zeigt sich die Beziehungen zwischen Bewegung und Zeit, als ein Verbindungsmoment im Hintergrund. Aufgezeigt werden die wunderbaren Möglichkeiten von Zeit, die durch Bewegungen entstehen: die Möglichkeiten eines Zeitgemenges oder der Darstellung von Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven.

akinorigoto.tumblr.com

Nonfacial Mirror
Credit: Shinseungback Kimyonghun

Nonfacial Mirror

Shinseungback Kimyonghun (KR)

Ein Spiegel, der sich abwendet? Stimmt, Nonfacial Mirror meidet Gesichter. Es hat etwas Ironisches, dass man sein Gesicht nur ansehen kann, wenn man es in ein Nicht-Gesicht verwandelt. Es erinnert einen daran, dass man als Mensch immer über sein eigenes Menschsein hinausdenken muss, um sich von der künstlichen Intelligenz abzuheben.

Der Spiegel sieht zunächst ganz gewöhnlich aus. Aber er verfügt über eine Kamera mit Gesichtserkennung und dreht sich weg, sobald er glaubt, ein Gesicht zu erkennen. Um sich selbst im Spiegel zu betrachten, muss man das eigene Gesicht bedecken oder unkenntlich machen, so dass es nicht vom Gesichtserkennungsalgorithmus erfasst werden kann. Und weitergedacht: wenn wir unser Sehen und Erkennen an Maschinen auslagern, was bedeutet das für unsere eigene Wahrnehmungsfähigkeit? Und was ist wahrer: Das, was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht?

ssbkyh.com

Cloud
Credit: Christina Kubisch

CLOUD 2017

Christina Kubisch (DE)

Wie klingen Daten? Wie unterschiedlich kann Strom überhaupt klingen?

Das Wort Cloud bezieht sich auf den zunehmenden technologischen Prozess der Datenspeicherung in Public Clouds, Private Clouds, Hybrid Clouds oder Community Clouds. Die Klangquellen sind elektromagnetische Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken. Die Klänge können über spezielle Induktions-Kopfhörer empfangen werden. Die Aufnahmen entstanden zwischen 2010 und 2017 in Europa, Kanada, den USA, China, Japan und in weiteren asiatischen Ländern. CLOUD ist eine Klangskulptur, bestehend aus einem 1500 Meter langen, dicken Kupferkabel. Besucher erhalten magnetische Kopfhörer, mit denen sie die versteckte Klangwelt des Kabelnetzes entdecken können. Die zwölf Kanäle, von denen jeder eine andere Zusammenstellung von elektromagnetischen Wellen besitzt, können vom Hörer selbst gemischt werden. Je nachdem, wie er sich unter der Wolke bewegt, beeinflusst er die Klangfolge der Kabeltöne und „mixt“ sie selbst in immer neue Kombinationen.

Die Arbeit CLOUD befasst sich mit den sozialen Auswirkungen der modernen Kommunikationstechnologie und konfrontiert den Betrachter mit einem System, das elektromagnetische Wellen abhängig von der Aktion des Besuchers in Schall umwandelt. Die Installation wird zum Resonanzraum einer omnipräsenten, unsichtbaren Technologie, deren gesellschaftliche, politische und gesundheitliche Auswirkungen noch unklar sind.

www.christinakubisch.de

The Art of Deception
Credit: Hanneke Wetzer

The Art of Deception

Isaac Monté (BE)

Können Organe zu Design-Objekten werden? Wird man in der Zukunft tatsächlich Organe aus ästhetischen Gründen verändern? Menschen bedienen sich der Täuschung, um dem Ziel der Perfektion und Wahrheit in der Gesellschaft, in der Kunst und der Wissenschaft näherzukommen. So auch Isaac Monté, der als künstlerische Reaktion für den Abfall bestimmte Schweineherzen zu eleganten Behältnissen für neues Leben verwandelt. Er hat die Schweineherzen dezellularisiert und repopularisiert und mithilfe verschiedener Techniken ästhetisch optimierte Herzen für Menschen hergestellt. Denn, die Technik der Dezellularisierung markiert den Eintritt in ein neues Zeitalter der synthetischen Biologie: Organe werden ihrer Zellinhalte beraubt und hinterlassen ein steriles Gerüst, das mit Stammzellen repopularisiert werden kann. Während diese Technik in der Medizin bereits Anwendung findet, bleibt ihr künstlerischer und kreativer Einsatz noch unerforschtes Gebiet. Isaac Monté versucht nun mit dieser Kollektion von 21 transformierten Herzen herauszufinden, wie biologische und ästhetische Eingriffe eingesetzt werden könnten, seine „Kunst der Täuschung“: Die Transformation innerer Schönheit – vom Grotesken zum Perfekten. Kann das „leere“ Organ zum unbeschriebenen Blatt, zur leeren Leinwand für Künstler werden? Die bearbeiteten Herzen werden nicht im eigentlichen Sinne als Organe zum Einsatz kommen, sondern dienen vielmehr der Veranschaulichung dessen, welche Möglichkeiten die Wissenschaft zur Veränderung des menschlichen Körpers bereits hat.

In Zusammenarbeit mit Professor Toby Kiers (Freie Universität Amsterdam)
Beaftragt von Bio Art & Design Awards, mit Unterstützung von ZonMw (The Netherlands Organisation for Health Research and Development).

www.isaacmonte.nl

Positions of the Unknown
Credit: Quadrature

Positions of the Unknown

Quadrature (DE)

Zu Beginn des Weltraumzeitalters waren die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Überwachung des gesamten Himmels noch nicht gegeben. Um zu überprüfen, ob andere Länder Objekte in den Weltraum absetzten, wurden in den USA Bürger für die Beobachtung und Erkennung möglicher künstlicher Satelliten ausgebildet. In allen alliierten Staaten spielten nun Amateurwissenschaftler eine entscheidende Rolle bei der Überwachung der vom Menschen produzierten Objekte, die um die Erde kreisten – bis zur Absetzung des Programms „Operation Moonwatch“ im Jahr 1975.

Doch das gesammelte Wissen und die Leidenschaft der Beteiligten verschwanden nicht einfach zusammen mit dem staatlichen Auftrag. Die Amateure entwickelten ein brennendes Interesse an der Entdeckung und Veröffentlichung der Objekte, deren Existenz von staatlicher Seite geleugnet wird. Bis heute gibt es eine Gruppe von Amateur-Astronomen, die einen alternativen Katalog pflegen, in dem 450 Datensätze enthalten sind, die in den offiziellen Auflistungen nicht vorkommen. Der Großteil dieser Objekte ist identifiziert und kategorisiert. Aber es gibt 52 Objekte, zu denen es keine Daten gibt. Lediglich ihre Position kann berechnet werden.

„Positions of the Unknown“ lokalisiert diese mysteriösen Objekte und zeigt ihre Bewegung in der Erdumlaufbahn. Da es für diese nicht identifizierten Objekte keinen offiziellen Nachweis gibt, sind sie purer Spekulation unterworfen. Sie sind die geheimen Begleiter unseres Planeten. Obwohl sie zahlreiche Male gesichtet wurden und ihre Präsenz somit anerkannt wurde, befinden sie sich in einem Zwischenstadium zwischen Existenz und Nicht-Existenz. Die Zeigerapparatur von Quadrature folgt allen 52 unbekannten Objekten auf ihren Wegen und ist stille Zeugin des Unbekannten.

quadrature.co

Wall of Gazes
Credit: Mariano Sardón, Mariano Sigman

The Wall of Gazes

Mariano Sardón (AR) in Zusammenarbeit mit Mariano Sigman (AR)

Wer bist du? Von wo kommst du und wo gehst du hin? Diese Fragestellungen, die für Kinder das Natürlichste der Welt darstellen, werden im Laufe des Heranwachsens immer verhaltener gestellt. Doch gerade heute, in Zeiten, in denen der Begriff „Heimat“ mehr mit Beziehungen zwischen Menschen als mit Orten in Verbindung gebracht wird, ist die Fragestellung nach dem DU von besonderer Relevanz.

In der Arbeit „Wall of Gazes“ („Die Wand der Blicke“) befasst sich Mariano Sardón mit der Frage, wie wir Menschen sehen und Bilder von anderen konstruieren. Sein Interesse an den Anderen hinterfragt er mittels künstlerischen und wissenschaftlichen Methoden: „The Wall of Gazes“ („Die Wand der Blicke“) besteht aus mehreren Bildschirmen, auf denen Besucher Videosequenzen von Migranten und Geflüchteten sehen können. Die Gesichter, die bedeckt und fast nicht erkennbar sind, werden durch die gleichzeitigen Blicke vieler Personen grafisch minutiös freigelegt. Die Augenbewegungen der Betrachter, die mittels eines Eye Tracking Device verfolgt werden, ermöglichen so das Betrachten der Videosequenzen dahinter.

Mittels dem Eye-Tracker sieht man die Teile des Gesichts, die wirklich gesehen werden und die Teile, die „unsichtbar“ bleiben, wenn der Blick sich auf andere Stellen des Porträts konzentriert. Der Eye-Tracker steht als Metapher für eine Art „Kulturgerät“, das bei Begegnungen zwischen Menschen aktiv wird. In der Ausstellung gibt es die Möglichkeit den Eye-Tracker live auszuprobieren.

www.marianosardon.com.ar

Penguins Mirror
Credit: Courtesy bitforms gallery, New York. Photo: John Berens.

Penguins Mirror

Daniel Rozin (IL/US)

Pinguine sind einige der wenigen Tierarten, die sich auf zwei Beinen fortbewegen können. Man vermutet, dass dies ein Grund sein könnte, warum  viele Menschen sich in den Vögeln selbst erkennen.

Die Installation „Penguins Mirror” von Daniel Rozin scheint genau auf dem Moment des sich selbst Erkennens bzw. Reflektierens aufzubauen: Die Arbeit besteht aus 450 motorbetriebenen Plüsch-Pinguinen, die sich um die eigene Achse drehend am Boden präsentieren. Es entsteht ein anmutendes homogenes Bewegungssystem, ein Spiel mit den kompositorischen Möglichkeiten der Gegensätze Schwarz und Weiß, ausgelöst durch die Anwesenheit und Bewegungen der Betrachter. Während der präzisen, geometrisch angelegten Performance der Pinguine wirkt deren kollektive Intelligenz verblüffend und vertraut zugleich.

„Penguins Mirror” ist die 14. Arbeit aus Rozins Serie „Mechanical Mirrors“. Die Serie begann 1999 mit der Arbeit „Wooden Mirror“ und besteht aus kinetisch-mechanischen Skulpturen, die die Umrisse der Betrachter nachzeichnen und ihre Bewegungen wie ein Spiegelbild nachahmen. Die unterschiedlichen Arbeiten der Serie erforschen diverse Materialien und Techniken der Bilderstellung.

Innerhalb der Serie ist „Penguins Mirror” einzigartig: hier wird zum ersten Mal die vertikale Wechselbeziehung zwischen Werk und Betrachter aufgehoben. Der „Spiegel“ hängt nicht an der Wand, sondern befindet sich in Form der Pinguine auf dem Boden. Die Beziehung zur Arbeit ist dadurch weniger symmetrisch, aber äußerst eindrucksvoll. Bei der Interaktion mit dem Werk erhält man den Eindruck, man dirigiere ein Orchester – oder befehlige eine Armee von kuscheligen Pinguinen. Wie auch bei anderen Arbeiten der Serie ist jedoch der Spiegeleffekt nicht alles: Wenn der Betrachter sich zurückzieht, antworten die Pinguine darauf mit einer Art von Abschiedstanz, bevor sich der nächste Besucher annähert.

www.smoothware.com/danny/

ECCE CANIS
Credit: Maja Smrekar

K-9_topology: ECCE CANIS

Maja Smrekar (SI)

Wo kommen wir her? Was sind wir? Und wo gehen wir hin? Maja Smrekars künstlerisches Werk kreist um diese ewigen Fragen der Menschheit. Die Arbeit “K-9_topology: ECCE CANIS” rückt Prozesse des Stoffwechsel in den Mittelpunkt: Aus dem Gewebshormon und Neurotransmitter Serotonin der Künstlerin und ihrem Hund Byron, ein Scottish Border Collie, schufen ChemikerInnen einen Duftstoff, der die Essenz der Beziehung zwischen Menschen und Hund symbolisiert.

Denn: Im Laufe der vergangenen Jahrtausende hat der Geruchssinn des Menschen sich immer weiter verschlechtert. Nicht so bei Hunden: Die Wahrnehmungsfähigkeit von Gerüchen bei Hunden bleibt weiterhin von größter Bedeutung. Parallel entwickelten sich jedoch die Gene von Hund und Mensch und das Gen, das als Folgeerscheinung der Domestizierung fast parallel mutiert ist, ist der Serotonintransporter SLC6A4. Polymorphismen, also mehrere Genvarianten innerhalb einer Polpulation, auf dem Gen sind verantwortlich dafür, dass wir andere tolerieren. Menschen und Hunde haben sich somit gegenseitig domestiziert?

Die Installation ist als immersive, höhlenartige Umgebung angelegt – als Rückbezug darauf, wo alles begann. Noch vor der landwirtschaftlichen Revolution, als Menschen und Wölfe anfingen, miteinander zu leben, war ihr Lebensraum die Höhle. Die Besucher können den Duftstoff, der die Beziehung zwischen der Künstlerin und ihrem Hund repräsentiert, mittels einem sensorisch gesteuerter Respirationsapparat interaktiv erfahren.

majasmrekar.org

Flagella
Credit: Yamanaka Laboratory

Flagella

Yamanaka Laboratory (JP)
Direction by Shunji Yamanaka; Design / Engineering by Mitsuru Muramatsu, Yusuke Kamiyama

Roboter wurden in den letzten Jahren als immer „lebensechter“ in ihrem Verhalten beschrieben. Aber wie lebensecht sie auch sein mögen, sie wirken trotzdem immer noch ein bisschen unbeholfen und unnatürlich. Was macht das „Lebensechte“ an einer natürlichen Bewegung aus, das sich bis heute nicht mit modernster Technologie imitieren lässt?

Roboterbewegungen entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener, komplex programmierter Motoren. Ein Motor kommt jedoch an seine Grenzen, wenn damit flexible anatomische Bewegungen wie von Muskeln und Sehnen generiert werden sollen. Gibt es nicht einen einfachen Mechanismus, mit dem sich natürliche und „lebensechte“ Bewegungen herstellen lassen?

Aus dieser Fragestellung heraus hat das Yamanaka Laboratory „Flagella“ entwickelt: eine lebendig anmutende Struktur zwischen natürlicher und künstlicher Bewegung. Diese einfache Maschine wird von drei Motoren angetrieben, die durch Rotation und Gegenrotation selbst mit unflexiblem Material sanfte Bewegungen erzeugen.

www.lleedd.com

 

 

 

 

 

Associated Artworks

In dieser Ausstellung versuchen wir über kuratorische und vermittelnde Zugänge auch aktuellste Prozesse und Prototypen im Ausstellungskontext zu präsentieren und die Geschichten zu den sechs Schlagworten zum Thema Begegnung – „Du & Ich“, „Reflexion“, Transformation“, „Extension“, „Simulation“ und „Vertrauen“ – vertiefend weiter zu erzählen. Sie finden daher auf den Tischen und eingebauten Monitoren ausgewählte Arbeiten dokumentiert, die beim STARTS Prize 2017 eingereicht wurden und vor allem ein besonderes Potenzial an Innovation und Kreativität an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst, Technologie und Industrie freilegen.

Ars Electronica Linz schrieb mit dem STARTS Prize 2017 in Zusammenarbeit mit BOZAR und Waag Society zum zweiten Mal einen prestigeträchtigen und mit zwei Mal 20.000 Euro hochdotierten Wettbewerb im Auftrag der Europäischen Kommission aus. 

DU & ICH

Beyond Humans: Perception & Understanding of Actions of Others
Ramiro Martin Joly-Mascheroni
starts-prize.aec.at/de/beyond-humans

Out of Exile
Nonny de la Peña, Emblematic Group
emblematicgroup.com

Library of Ourselves
BeAnotherLab
beanotherlabalreadyexists.wordpress.com

VERTRAUEN

Rock Print
Gramazio Kohler Research, ETH Zurich, und Self-Assembly Lab, MIT
gramaziokohler.arch.ethz.ch/web/e/forschung/297.html

I’m Humanity
Etsuko Yakushimaru
yakushimaruetsuko.com/archives/2602

Digital Synaesthetic E.E.G. KISS
Karen Lancel and Hermen Maat / STEIM
lancelmaat.nl/work/e.e.g-kiss/

REFLEXION

HYPNAPOD
Unconscious Collective
www.hypnapod.com

Bug’s Beat
Yumi Sasaki, Dorita Takido
youtu.be/A-76-RjMzI8

Smog Free Project
Dan Roosegaarde / Studio Roosegaarde
www.studioroosegaarde.net/project/smog-free-project

TRANSFORMATION

Smog Tasting
The Center for Genomic Gastronomy
genomicgastronomy.com/work/2011-2/smog-tasting/

Treelab
Marcus Maeder, Roman Zweifel
www.researchcatalogue.net/view/215961/215962

Make Do and Mend
Anna Dumitriu
annadumitriu.tumblr.com/FEAT

3arabizi Keyboard
Hadeer Omar
www.hadeeromar.com/3arabizi-keyboard

EXTENSION

Sensorial Skin for an Intelligent Guerilla Beehive
Anne Marie Maes
annemariemaes.net

project RAIDEN
Kour Design
www.kourdesign.com/raiden

The Dermal Abyss
Katia Vega
www.katiavega.com

DuoSkin
Microsoft Research / Natural Interaction Group
MIT Media Lab / Living Mobile Group
duoskin.media.mit.edu

SIMULATION

Imaginary garden
VA Lab
www.vgap.org/portfolio-ccbc

Mimus: Coming face-to-face with our companion species
Madeline Gannon
atonaton.com/mimus

Blink: Humanising Autonomy
Adam Bernstein, Raunaq Bose, Leslie Nooteboom, Maya Pindeus
www.humanisingautonomy.com